Leseprobe aus Sophias Verlangen

Mit dem Mietauto in die DDR


Mit ihrem Mietauto, das sie von Los Angeles aus am Frankfurter Flughafen bestellt hatte, fuhr Sophia eines Nachts im Frühsommer 1977 mit abgeblendeten Scheinwerfern durch vollkommen verlassene Straßen eines ihr unbekannten Leipziger Stadtteils, nachdem sie unerlaubterweise, vom Grenzübergang Herleshausen/Wartha kommend, bei Leipzig-West von der Autobahn abgefahren war. Sie suchte eine Adresse, wollte zu einer Familie Nickels, über deren Schicksal und Günter Nickels Inhaftierung sie einige Monate zuvor einen Artikel in der Zeit mit der Überschrift „Der Fall Günter Nickels – Neu verurteilt“ gelesen hatte. Der Journalist Günter Nickels hatte für sich und seine Familie einen Antrag auf Ausreise gestellt. Daraufhin hatte er Berufsverbot bekommen, der Antrag war abgelehnt worden. Nach wiederholten Anträgen war ihm wegen staatsfeindlicher Äußerungen der Prozess gemacht worden. Der Vorfall berührte Sophia.

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Leseprobe aus Bleib immer neben mir – Ein deutsches Frauenleben

In den Morgenstunden nach der Bombardierung Dresdens


Auf der Loschwitzer Brücke wagte ich einen ersten Blick zurück und sah die Türme der Stadt schwarz wie Skelette von toten Riesen von Rauchwolken umgeben in den Flammen stehen. Ich dem Moment empfand ich gar nichts. Mir blieb nur noch die Kraft, den Kinderwagen vor mir herzuschieben, mit den Rädern nicht in den Straßenbahnschienen steckenzubleiben und mich zu versichern, dass die Omi neben mir war. Nach einem beschwerlichen Weg über glattes Kopfsteinpflaster den steilen Berg hoch erreichten wir in den Vormittagsstunden den Weißen Hirsch. Dort oben empfingen uns Sanitäter. Ein Mann in Uniform kam uns entgegen und half mir, den Kinderwagen die letzten Meter schieben. Sanitäter hatten unter einem Zelt, das nach vorne offen war, einen langen Tisch aufgebaut, davor stand ein Kessel mit Pfefferminztee und ein zweiter mit Haferflockenbrei. Gott sei Dank hatte ich Blechgeschirr und Besteck mitgenommen.

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Zur Bombardierung Dresdens und dem Kriegsende lesen Sie auch Schlachthof fünf oder der Kinderkreuzzug von Kurt Vonnegut.

 
   
     

Leseprobe aus Blackout – A Woman's Struggle for Survival in Twentieth Century Germany

The Last Trip to Grandfather


That’s all over now, my mother said, those days will never return. In the summer of 1944, I traveled to Grandfather’s as always while Omi stayed home with you and your sister Bettine. Little did I know that it would be for the last time. When we sat together at the kitchen table after supper on the first evening of my arrival, he asked me all of a sudden, “What do you think, Elfriedchen, things are not looking good. We are going to lose this war, too, only this time it’ll turn out much worse.” I didn’t dare to answer as Grandfather continued to talk about the eventful history of Upper Silesia, which inevitably turned into an extraordinary tale of people and places and times long past that stirred up my imagination, taking on a legendary character for me.

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